Nu ja, da MG - wie du richtig erwähntest - in unserer "Wohlfühloase" jahrelang Händchen mit Kloppo gehalten und dabei ganz nebenbei guten Fußball gespielt hat und an mehreren Titeln beteiligt war (wir erinnern uns), sollten hier doch ein paar von uns eine (zumal historisch einigermaßen fundierte) Einschätzung abgeben dürfen und sogar können.
Und, ja, man kümmere sich dauerhaft auch um andere Vereine. Allein per definitionem. Denn das ist unter anderem ein Sinnesgegenstand des wettbewerbsorientierten Profifußballs - zumal, wenn lang gediente Spieler meines Vereins nun in einem anderen Verein aufspielen. Aber lassen wir das ...
Zum Thema:
With every wish there comes a curse, um es einmal mit dem Boss zu sagen. Aus dem erfüllten Wunsch MGs, bei einem schon einige Zeit unbestritten auf höchstem Niveau agierenden Club unterzukommen, ist mittlerweile möglicherweise ein kleiner Fluch geworden. Nach hinten hin von den enttäuschten BVB-Fans (m. E. zum Teil in etwas hypertropher Attitüde) verflucht, nach vorne hin mit medial aufbereiteten Attributen versehen, die nicht immer wirklich greifen und ihm jetzt um die Ohren gehauen werden.
Ein Messi - man konnte es dieser Tage bestaunen - entscheidet selbst auf höchstem Niveau Spiele fast im Alleingang, ein MG hat dies in diesem Ausmaß nie getan, selbst in seinen besten BVB-Tagen nicht. Er konnte entscheidene Aktionen bringen, gewiss, allerdings hätte das ohne das spielerische und 'sporthistorische' Umfeld bestenfalls für das Prädikat "wertvoll" gereicht. Daraus den ebenso hypertrophen Nimbus eines "deutschen Messi" zu generieren, ist letztlich ein Werk der Medien gewesen, nicht aber Abbild der sportlichen Qualitäten eines MG.
Dabei ist jener hier seit frühester Zeit jahrelang auf ein spezifisches Konzept getrimmt worden, das dann in den Meisterjahren aus verschiedensten Gründen auch noch außergewöhnlich eingeschlagen ist. Da hatte in der Gruppe jeder über Jahre seine Rolle inne, die mehr oder weniger unbestritten blieb (was sich für den BVB in dieser Seuchensaison m. E. eben auch als Problem herausgestellt hat). Zudem hatte er einen Mentor, dem er seit Jugendtagen vertrauen konnte und der ihm vertraute. Das alles gibt Selbstvertrauen und erzeugt bei nicht wenigen Menschen (ergo auch bei Fußballprofis) schon per se ein besonderes Leistungsniveau. Man blicke nur auf die vielen Profis, die bei einem Trainer untergehen und beim anderen plötzlich höchstes Niveau spielen. Solches als vereinssportliche Kuschelpädaogik abzutun zeugt hingegen von wenig Kenntnis um die Psyche von Heranwachsenden und Spitzensportlern allgemein sowie die Wirksamkeit gelingender Motivationsarbeit.
Beim FCB ist er, der Natur der Sache gemäß, auf andere Verhältnisse getroffen. Nicht, weil der FCB böse ist oder der BVB eine "Wohlfühloase", sondern vor dem Hintergrund einer anderen Vereinskultur, anderer globaler Ansprüche und Erwartungshaltungen sowie eines inneren Konkurrenzprofils, das sich von dem des BVB sicherlich deutlich unterscheidet. Man mag zuletzt nicht vergessen, dass der FCB im Grunde genommen erst MGs zweite Station in seiner Karriere ist. Eine Wechselroutine hat er jedenfalls nicht.
Und deshalb denke ich schon, dass die Art und Weise, wie der 'Fall Götze' auf verschiedenen Ebenen (Trainer, Medien, Fans) gehandhabt wird, weder der Sache (nämlich dem Wunsch nach optimalen Leistungen) noch als Vorbild für den Umgang mit in ihrem Tätigkeitsfeld talentierten jungen Menschen dient. Gleichgültig, ob die einen ihn überhöhen oder die anderen ihn gerade auf Raten abschreiben.
Zudem widerfährt dem FCB gerade in Ansätzen das, was dem BVB und anderen vor / seit längerer Zeit widerfahren ist. Da fehlen verletzungsbedingt monatelang systemrelevante Spieler(figuren), ist womöglich bei dem einen oder anderen die Motivation nach einer wahren Titelschwemme (BL, Pokal, CL, WM) weggebrochen oder der Leistungszenit einfach überschritten, und das vom Trainerstab geformte System stellt sich an der einen oder anderen Stelle als fragil heraus, sobald mehrere solcher Faktoren zusammen kommen. Zur Krönung werden dann Spiele verloren, die man dominiert, Schiedsrichter pfleifen sich, wer weiß was, zusammen - halt Sch... am Schuh. Das Ganze natürlich bei jedem Club auf einem anderen Kader- und Anspruchsniveau.
Und in solch einer Situation gehen nun einmal auch gesetzte Leistungsträger gern einmal unter. Spieler, die unter anderen Umständen brillieren. Sicher, kann man das im Falle MGs womöglich als "Schönwetterprofitum" kritisieren; dann sollte man aber auch jene Spieler nennen, die zurzeit - wodurch auch immer begründet - nicht weniger unglücklich über das Geläuf traben. Personalien, die eigentlich über jeden Zweifel erhaben sein sollten.
Zumal MG in der äußerst unglücklichen Situation ist, dass er als 'Neuling' eben nicht auf den uneingeschränkten Rückhalt in der Fanbase und im Trainerstab zurückgreifen kann wie ein verdienter Veteran. Und so wenig, wie MG Spiele à la Messi im Alleingang zum Guten hin entscheidet, ist er davor gefeit, menschlich-allzumenschliche Verhaltensweisen an den Tag zu legen und Phasen zu durchlaufen, die mitunter auch Ausdruck dessen sind, was eine übersteuerte Erwartungshaltung und womöglich falsche 'Erfolgsgewohnheiten' zeitigen. Ecce homo - sieh, es ist (nur) ein Mensch.
Fazit: Möglicherweise ist MG aus verschiedensten Gründen einfach nicht gut aufgehoben beim FCB, kann aber auch sein, dass da an der ein oder anderen Stelle die Chemie nicht stimmt, vielleicht passen auch System und Individuum zurzeit nicht zusammen - manches lässt sich beheben, anderes nicht. Ich für meinen Teil denke, ganz ohne opponierende Vereinsbrille, dass MG auf Dauer beim FCB seine Rolle einnehmen kann - jedoch nicht die, die offensichtlich manche von ihm erwartet haben.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen