BL, 1. Spieltag, FC Bayern-VfL Wolfsburg 2-1:
Am Eröffnungsspieltag begannen wir wie von vielen erwartet mit einer Dreierkette, wobei die personelle Besetzung derselben dann doch gewaltige Überraschungen bot:
—Lahm——Dante——Badstuber————
————Gaudino———Alaba—————
Robben————————————Bernat
——————————Götze—————
————Müller————Lewandowski———
Mit Lahm als RIV, Robben als rechten Carrilero sowie Gaudino in der Startelf war nicht unbedingt zu rechnen gewesen. Wie die Aufstellung schon nahelegt, war es letztlich eine extrem asymmetrische Geschichte mit deutlicher Rechstendenz, da Robben naturgemäß mehr Vorwärtsdrang zeigt als Bernat genauso wie Lahm deutlich offensiver orientiert war als Dante. Der weiter vorne postierte Müller pendelte auch immer wieder auf den rechten Flügel, während vorne Lewandowski deutlich seltener nach links abkippte und Götze ohnehin in seiner Paraderolle im linken Halbraum bzw. Zehnerraum zu finden war, so dass Bernat im Prinzip die linke Seite alleine beackerte und gelegentlich von Alabas ausweichenden Bewegungen unterstützt wurde, während Gaudino vornehmlich als Passstation im Zentrum zu finden war. Diese Asymmetrie war sowohl in Ballbesitz als auch gegen den Ball zu beobachten. Wahrscheinlich sollte diese Asymmetrie den VfL von deren deutlich stärkeren rechten Seite (Rodriguez, de Bruyne) weg- und auf die schwächere rechte Seite hinleiten. Das Experiment kann man als geglückt einstufen, der VfL kam nur zu 25% über die linke Seite und zu satten 52% über rechts. Vergleicht man das mit den beiden folgenden Spielen gegen Frankfurt (33%-39%) bzw. Hoffenheim (36%-38%), so kann man unsere Absicht durchaus erkennen.
Ungefähr nach einer halben Stunde stellte Pep dann auf eine eindeutige Viererkette um, was letztlich in einer 4-2-4/4-2-3-1-mäßigen Formation mündete. Müller versuchte da sehr flexibel zu agieren und sich Räume zu suchen, was beim 1-0 auch hervorragend funktionierte. Im Anschluss zeigte sich jedoch die schon öfters beobachtete Problematik des etwas entblößten Mittelfelds: Der VfL bekam mehr Zugriff und gewann die Bälle häufiger, entsprechend kamen die Wölfe v.a. in der zweiten Halbzeit nach dem zwischenzeitlichen 2-0 nach einem individuellen Fehler Guilavoguis und feinem Solo Robbens zum Anschlusstreffer durch Olic und mehreren hochkarätigen Torchancen, vor allem natürlich Malandas Giga-Chance aus geschätzt 40 Zentimetern. Pep reagierte darauf und brachte Rode für Lewandowski, was unser Spiel augenblicklich stabilisierte. In der Folge hatten wir mehrere Chancen zur Entscheidung, die beste vergab Robben durch einen Schuss an die Latte frei vor Torhüter Grün.
BL, 2. Spieltag: Schalke 04 - FC Bayern 1-1
Auch beim ersten Auswärtsspiel gab es dicke Überraschungen, Pep packte nämlich das gute, alte 4-4-2/4-2-2-2 wieder aus:
Lahm—Boateng—Badstuber—Alaba
——Rode———Xabi Alonso ————
Shaqiri————————Götze————
—————Müller——Lewandowski—
Interessant war dabei die deutlich gegensätzliche Ausrichtung unserer Flügel: Shaqiri spielte rechts sehr breit, während Götze auf der linken Seite gewohnt eingerückt agierte. Diese Spielweise passte auch zu den AV: Götzes eingerückte Position machte den Flügel für Alaba auf, während Shaqiri durch seine breite Stellung den Halbraumkanal für Lahm öffnete, was beiden Spielern optimal entgegen kam. Hinten spielte Xabi als Quarterback vor den beiden Innenverteidigern hinter Rode, der zunächst noch die Verbindung zur Offensive läuferisch herstellen konnte, bis sich die Schalker besser auf das wohl höchst unerwartete System Peps eingestellt hatten. Mit der Zeit attackierte Schalke unser Zentrum nämlich deutlich aggressiver und komprimierter, was unser Team in zwei Hälften teilte: Hinten Badstuber, Xabi Alonso und Boateng, vorne der Rest und in der Mitte der bemitleidenswerte Rode, der mit der Aufgabe, beide Teile zu verbinden, völlig überfordert war. Rode hatte in der zweiten Halbzeit eine Passquote von 78%, was für einen ZM bei uns natürlich deutlich zu wenig ist, wenn er auch letztlich ein Opfer des Systems war. Fast zwangsläufig fiel schließlich - wenn auch in der Entstehung etwas unglücklich - der Ausgleich. Pep versuchte kurz zuvor mit Bernat für Götze das Spiel etwas mehr in die Breite zu ziehen, um das Zentrum zu entlasten, doch ein dritter ZM hätte uns wohl besser getan, so dass bis auf eine Halbchance Lewandowskis offensiv bei uns nichts mehr gelang.
BL, 3. Spieltag: FC Bayern - VfB Stuttgart 2-0
Gegen den VfB griff Pep wieder in die asymmetrische Kiste und brachte nach zunächst 15 Minuten Dreierkette eine in der Viererkette deutlich nach links verschobene Formation:
Boateng—Dante—Badstuber—Bernat
———————-Xabi Alonso————
———Lahm———————————
———————————Alaba——-
———————Götze———————
————Müller——Lewandowski——
Man merkte in dieser annähernden Rauten-Formation die deutlich stabilere Spielanlage unserer Mannschaft, der VfB bekam selten Zugriff und noch weniger Chancen, wenn dann nur über Standards auf den kopfballstarken Rüdiger. Interessant war die unterschiedliche Aufgabenverteilung von Lahm und Alaba. Während sich Lahm immer wieder als pressingresisente Kurzpassoption vor allem im Mitteldrittel anbot, spielte Alaba deutlich offensiver und linearer, wobei er immer wieder in interessante Kombinationen mit Götze und Bernat kam. Allerdings merkte man in vielen Situationen noch speziell zwischen Lewandowski und Müller eine mangelhafte Abstimmung, die viele aussichtsreiche Angriffe im Keim erstickte. Häufig war einer der beiden in Ballbesitz isoliert und verlor in der Folge den Ball, nicht ganz ohne Grund waren die Ballverlustzahlen beider Spieler exorbitant: Müller: 7, Lewandowski: 6. Das war mehr als der gesamte Rest der Mannschaft incl. Einwechselspieler zu verzeichnen hatte. Insbesondere Götze als offensiver Verbindungsspieler und freies Radikal im Zehnerraum hätte hier noch intensiver unterstützen und entsprechende Isolationen auflösen müssen. Nach Badstubers Verletzung änderte sich trotz der Einwechslung Gaudinos wenig: Der 17-Jährige versuchte Lahms Verteilerstation im ZM zu übernehmen, während Lahm die RV-Rolle erwartungsgemäß weniger linear, sondern zentraler interpretierte als Boateng zuvor, der Badstubers Platz in der IV einnahm.
Mit der Einwechslung Ribérys stellte man auf ein klassisches 4-3-3 um, wobei der Franzose nach einem schönen Schnittstellenpass Lewandowskis, der sich bei diesem Angriff auf die rechte Seite fallen ließ, das entscheidende 2-0 erzielen konnte.
CL, 1. Spieltag, FC Bayern-Manchester City 1-0:
Beim ersten CL-Spiel gab es die mittlerweile obligatorische Systemumstellung nach ca. 20 Minuten: Nachdem man mit einer Dreierkette aus Alaba, Boateng und Benatia
hinter der flachen Vier Bernat-Xabi-Lahm-Rafinha startete, änderte Pep auf das VfB-System um, wobei bis auf die personellen Änderungen in der Viererkette eigentlich eine identische Aufgabenverteilung bestand. Bernat spielte wie schon gegen Stuttgart sehr linear, Rafinha agierte gerade im Spielaufbau deutlich zentraler. Apropos Zentrale: Wir schafften es gegen City immer wieder, durch Angriffe über die Mitte zum Torabschluss zu kommen, das erste Mal bereits nach wenigen Sekunden, als Müller nach feinem Hackenpass von Lewandowski nur das Außennetz traf. Jedoch hatte Pep wohl recht eindeutig das Zentrum der Citizens zum Schwachpunkt ausgemacht, Lewandowski kam in eine nahezu identische Situation mit nahezu identischem Abschluss, Alaba durfte einige Male in zentraler Position aufziehen und auch Götze kam zentral in seinen Lieblingsräumen gut zur Geltung. Dies lag vor allem an der enorm schwachen Vorstellung Yaya Tourés, der überhaupt nicht in die Zweikämpfe kam und dann im Verlauf der zweiten Halbzeit weiter nach vorne gezogen wurde.
Pep wählte gerade in der ersten Halbzeit gegen den Ball einen passiveren Ansatz, City wurde erst kurz vor der Mittellinie intensiver attackiert, so dass die Citizens zu längerfristigen Ballzirkulationen kamen, wenn auch in ungefährlichem Bereich. Damit wollte man wohl die Schwächen mancher City-Spieler im Spielaufbau provozieren, doch City zeigte sich im Vergleich zur letzten Saison mannschaftstaktisch deutlich gefestigter, spielte den Ball geduldig von hinten raus und kam auch in dieser Phase durch eine Möglichkeit Dzekos zu einem gefährlichen Torabschluss. City spielte auch gegen unsere Flügel sehr konsequent, indem Nasri und insbesondere Navas intensiv mit nach hinten arbeiteten.
In der zweiten Hälfte passte Pep die Ausrichtung leicht an, Müller spielte nicht mehr ganz so flexibel, sondern hielt deutlich intensiver den rechten Flügel, was durch die Einwechslung Robbens noch verstärkt wurde, der noch strikter an der Außenlinie klebte als Müller zuvor. Damit reagierte Pep wohl auf den Versuch Citys das Zentrum und insbesondere deren eigene rechte Seite zu verdichten, nachdem Pellegrini den deutlich zentraler agierenden Milner für den recht linear spielenden Nasri brachte und damit den linken Offensivflügel nahezu vollständig auflöste, da auch David Silva höchstens vereinzelt nach links abkippte. Aus dem ziemlich eindeutigen 4-2-3-1 war mit der Einwechslung Milners ein 4-1-4-1 mit deutlichem Rechtsfokus geworden. Diese Systemumstellung der Skyblues machte uns gerade Mitte der zweiten Halbzeit doch deutliche Probleme, durch den kompakten Mittelblock mit Tendenz nach Rechts konnte City Götze aus dem Spiel nehmen, den starken Bernat in dessen Offensivdrang einbremsen und insgesamt die Abstände zwischen unseren Offensiven vergrößern, zumal sich insbesondere Müller im dicht gedrängten Zentrum nicht sehr wohl fühlt. Pep hatte aber die Antwort mit der Betonung des rechten Flügels, die er durch die Einwechslung Pizarros für das offensive Zentrum und den Wechsel Lahms auf die rechte Abwehrseite noch verstärkte. So fiel letzten Endes auch der Siegtreffer: Boateng konnte eine Lahm-Flanke, nachdem dieser Robben hinterlaufen hatte, über Umwege zum 1-0 versenken. Kun hatte im Anschluss noch die Ausgleichschance nach einem Missverständnis zwischen Neuer und Dante, aber letztlich konnten wir den verdienten Sieg über die Zeit bringen.
Interessant zu beobachten wird in den nächsten Wochen nun sein, wie Pep unsere Offensiven in eine System gießt. Mit Robben und Ribéry haben wir doch einen deutlichen Hang zu mehr Flügelspiel, während die Besetzung Müller-Götze eher einen zentraleren Ansatz verspricht, so dass unsere Aufstellungen wohl noch gegnerabhängiger werden als ohnehin schon. Zu konstatieren bleibt auch schon wieder nach diesen ersten Partien, dass drei eindeutige ZM ein Muss sind, die schwächste Saisonleistung in Gelsenkirchen sollte allen Beteiligten Lehre genug sein. In der Offensive passen weiterhin noch einige Abläufe nicht, vor allem Lewandowski wirkt mir nach den ersten Wochen immer noch nicht wirklich eingebunden. Gegen den Ball gefiel mir insbesondere die Phase in der ersten Halbzeit gegen City nicht, als wir die Skyblues zu passiv angelaufen haben, Pep hat das dann Gott sei Dank schon vor der Pause, aber dann auch eindeutig danach korrigiert, dieser eher passivere Ansatz passt nur unter Ausnahmebedingungen zu unserer Mannschaft.